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Der Rohdiamant

Ein Gardemaß von 2,10 Meter, Beweglichkeit, Treffsicherheit: Nicolas Bretzel hat eigentlich alles, was er für eine erfolgreiche Basketball-Karriere braucht. Doch lange Zeit fehlte dem gebürtigen Ulmer die allerwichtigste Komponente...

Keinen einzigen ProB-Einsatz weist die Vita von Nicolas Bretzel auf, als sein Trainer ihn am 6. Mai diesen Jahres zum ersten Mal in den Kader beruft. So macht sich der damals 17-Jährige mit den Weißenhorn Youngstars auf zum entscheidenden Auswärtsspiel in Karlsruhe, das das junge Überraschungsteam nach der Niederlage im ersten Finale mit mindestens fünf Punkten Differenz für sich entscheiden muss, um doch noch die Meisterschaft zu gewinnen. „Ich war ganz schön überrascht, dass mich Danny überhaupt mitgenommen hat“, bekennt Bretzel, dem Teamkollege Nils Mittmann rückblickend eine „entscheidende Rolle“ im zweiten Endspiel zusprechen wird. Die Youngstars beginnen gut, liegen nach dem ersten Viertel in Führung, als Coach Danny Jansson plötzlich seinen unerfahrensten Schützling aufs Feld beordert. „Ich habe mich an Dannys Worte erinnert. Hauptsache keinen Fehler machen und Defense spielen“, versucht der Big Man seine Nervosität zu bekämpfen – mit Erfolg: 48 Sekunden, nachdem Bretzel zum ersten Mal das ProB-Parkett betreten hat, gelingt ihm ausgerechnet per Steal seine erste Ballberührung, die er anschließend mit einem Fastbreak-Dunk veredelt – ein wichtiger Faktor auf dem Weg zum 71:77-Erfolg und zur ProB-Meisterschaft.

„Er hat uns in dem Spiel eine Menge Energie gegeben“, erinnert sich Nils Mittmann. Der routinierte Positionskollege ergänzt: „Dasselbe macht Nico jetzt auch in der ProA.“ Nach einem einzigen ProB-Einsatz legt der 18-Jährige in der zweithöchsten Liga Deutschlands einen Raketenstart hin und trifft in durchschnittlich fast 15 Minuten Einsatzzeit 80 Prozent seiner Würfe aus dem Zweier-Bereich. Parallel dominiert der athletische Center in seiner letzten Jugend-Saison die Zone der Nachwuchs Basketball Bundesliga und weist mit einem durchschnittlichen Double-Double eine Effektivität von 27 auf. BBU ’01 Sportchef Dr. Thomas Stoll betont: „Uns war immer klar, dass Nico es weit bringen kann, wenn er es selber will.“ Doch genau das war nicht immer so.

Ein Raketenstart mit Steal und Dunk

„Nico war zwar früher ziemlich tollpatschig, aber gleichzeitig immer schon sehr talentiert“, erinnert sich Marius Stoll, der seit der U10 alle BBU-Mannschaften mit dem Big Man durchlaufen hat. Mit neun Jahren wechselt Bretzel mit einigen Schulkameraden vom Fuß- zum Basketball, ist immer etwas größer als die anderen und kann sich damit meist gegen seine Kontrahenten behaupten. Berufungen in die Auswahl folgen, unter Dr. Thomas Stoll gewinnt das Team um die heutigen ProA-Stammspieler Marius Stoll, Christoph Philipps und eben Bretzel baden-württembergische Meisterschaften und reist zu einem U14-Turnier in die USA. Der große, dunkelhaarige Junge mit den roten Pausbacken ist immer Teil der Siegerbilder – allerdings nur mit halbem Herzen dabei.

Als seine Mitspieler in der U14 und der U16 schon mehrfach die Woche trainieren und sich immer mehr in Richtung Leistungssport entwickeln, häufen sich bei Nico Bretzel die Absagen. „Nico war häufig verletzt und hat öfter nur einmal die Woche trainiert“, so Marius Stoll, der mit seinen Teamkollegen versucht, den talentierten Big Man zu überzeugen: „Wir wussten, dass aus ihm etwas werden kann und haben zu ihm gesagt: ‚Raff‘ dich mal und komm‘ ins Training!‘“

Die komplette Story über den Big Man und noch vieles mehr (z.B. Isaac Fotu in der Titelstory, Da'Sean Butler im Interview & ein Potrait der BBU '01 Specials) gibt's ab Mittwoch, 20. Dezember im neuen OrangeZonge.Magazin #2.

Text: Julia Günter
Foto: Harry Langer

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